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Tagesspiegel; 19 Dec 2017

 

Fo­to: Do­ris Spie­ker­mann-Klaas

 

Le­sen macht Spaß. An­na Be­no­va vom Ver­ein „Li­bri­leo“mit Kin­dern in der Bi­b­lio­thek der Kon­rad-Agahd-Grund­schu­le in Neu­kölln. Die Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin ver­mit­telt den Klei­nen und ih­ren El­tern, dass Schmö­kern in Bü­chern und das Be­trach­ten von Bil­dern sehr un­ter­halt­sam sein kann.

Für un­se­re Ju­bi­lä­ums-Spen­den­ak­ti­on zu 25 Jah­re „Men­schen hel­fen!“ha­ben wir in der Run­de 2017/ 18 ins­ge­samt 58 so­zia­le Pro­jek­te vor al­lem in Ber­lin und Bran­den­burg aus­ge­wählt. Aber auch im Aus­land hel­fen wir wie­der, mit un­se­rem tra­di­tio­nel­len Part­ner Deut­sche Welt­hun­ger­hil­fe. In un­se­rer Spen­den­se­rie stel­len wir aus­ge­wähl­te Initia­ti­ven stell­ver­tre­tend für al­le an­de­ren vor, für die wir die Le­se­rin­nen und Le­ser um Spen­den bit­ten. Heu­te: Der Ver­ein „Li­bri­leo“, der Eh­ren­amt­ler da­rin schult, dass sie Kin­dern be­darfs­ge­recht vor­le­sen und ih­nen den Spaß an Bü­chern ver­mit­teln.

Yvon­ne Esch­ment hat das Buch aus ei­ner grü­nen Plas­tik­kis­te ge­zo­gen. Die Kis­te steht mit­ten im Raum, sie steht auch mit­ten zwi­schen den sie­ben Kin­dern, die auf dem Bo­den sit­zen und Yvon­ne Esch­ment zu­hö­ren. Ist ja auch al­les span­nend. Yvon­ne Esch­ment, 27, dunk­le Haa­re, So­zi­al­päd­ago­gin, liest laut die Ge­schich­te vom kran­ken Af­fen. Der ist er­käl­tet, muss im Bett lie­gen, und sei­ne Freun­de über­le­gen, was sie ihm Gu­tes tun kön­nen. Sie ha­ben ei­ne Idee, die Freun­de, aber be­vor Yvon­ne Esch­ment die­se Idee vor­liest, legt sie das Buch auf ih­re Knie, blickt den Kin­dern in die Au­gen und fragt: „Wo­mit könn­te man euch denn auf­mun­tern, wenn ihr krank wärt?“

Ted­dy­bär, Pup­pe, Spiel­zeug­au­to, die üb­li­chen Ant­wor­ten. Die So­zi­al­päd­ago­gin Esch­ment nickt an­er­ken­nend, genau so et­was woll­te sie hö­ren. Dann liest sie, was den Freun­den des Af­fen ein­ge­fal­len ist. „Sie sa­gen sich: Wir ma­chen Fo­tos von al­len Din­gen, die ihm ge­fal­len und be­su­chen ihn dann mit den Fo­tos.“ Die Zu­hö­rer lau­schen. Auf so ei­nen Ge­dan­ken sind sie er­kenn­bar nicht ge­kom­men.

In der Schü­ler­bi­blio­thek der Kon­ra­d-Agahd-Grund­schu­le in Neu­kölln ist Yvon­ne Esch­ment ih­rem Ziel wie­der ein klei­nes Stück nä­her ge­kom­men. Ihr Ziel lau­tet: „Wir möch­ten Kin­der un­ter sie­ben Jah­ren an Bü­cher her­an­füh­ren und ih­nen zei­gen, dass Le­sen Spaß macht. Und wir wol­len ih­re El­tern da­zu mo­ti­vie­ren, dass sie ih­ren Kin­dern vor­le­sen.“ Des­halb sitzt sie hier, zwi­schen all den Bü­cher­re­ga­len. An der Wand hängt auch ei­ne far­bi­ge Weih­nachts­ku­gel.

Yvon­ne Esch­ment ist ei­ne der rund 40 Le­se­pa­ten des Ver­eins „Li­bri­leo“. Kin­dern Spaß am Le­sen ver­mit­teln, das ist die Auf­ga­be von „Li­bri­leo“, des­halb le­sen sei­ne Pa­ten an 15 ver­schie­de­nen Stand­or­ten in ganz Ber­lin, in Frei­zeit- und Fa­mi­lien­zen­tren oder in ei­ner Schul­bi­blio­thek wie jetzt in Neu­kölln. Und da­mit die­se Le­se­pa­ten in­ten­siv ge­schult wer­den kön­nen, bit­tet der Ver­ein um Geld aus der Ta­ges­spie­gel-Spen­den­ak­ti­on „Men­schen hel­fen!“.

Die­se Le­se­pa­ten sind im­mer um­ge­ben von Kin­dern zwi­schen zwei und sie­ben Jah­ren. In der Bi­b­lio­thek der Kon­rad-Agahd-Schu­le sind heu­te rund 20 Kin­der. Um sie küm­mert sich auch An­na Be­no­va. Sie sitzt un­ter ei­nem Tisch am Fens­ter, sie hat die Kleins­ten ne­ben sich. Mit de­nen blät­tert sie in gro­ßen Bil­der­bü­chern und schaut mit ih­nen Tie­re und Bäu­me an. Die Slo­wa­kin hat deut­sche Spra­che und Li­te­ra­tur stu­diert, bei „Li­bri­leo“ küm­mert sie sich un­ter an­de­rem um die Schu­lung der Eh­ren­amt­li­chen.

Es ge­nügt ja nicht, ein Buch auf­zu­klap­pen und ein­fach nur vor­zu­le­sen. Die Le­se­pa­ten von „Li­bri­leo“sol­len die Kin­der ein­be­zie­hen. Die sol­len Fra­gen stel­len und Fra­gen be­ant­wor­ten, im­mer im Au­gen­kon­takt mit den Er­wach­se­nen. „Die Kin­der sol­len mer­ken, dass es die Er­wach­se­nen in­ter­es­siert, was sie er­zäh­len“, sagt An­na Be­no­va.

Die Kin­der in der Schul­bi­blio­thek ha­ben aus­nahms­los ei­nen Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund, des­halb lie­gen un­ter an­de­rem Bü­cher in ara­bi­scher Spra­che in der grü­nen Bü­cher­kis­te. Yvon­ne Esch­ment sagt ih­ren Zu­hö­rern: „Wir kön­nen auch ein Buch auf Ara­bisch her­aus­ho­len, dann könnt ihr mir et­was vor­le­sen.“ Ein Mäd­chen mit lan­gen, schwar­zen Haa­ren zieht „Stadt der Träu­me“ aus der Kis­te. Ein zwei­spra­chi­ges Buch, die Tex­te sind auf Ara­bisch und auf Deutsch. „Ich kann Ara­bisch“, sagt das Mäd­chen. „Fein“, ant­wor­tet Yvon­ne Esch­ment, „was heißt auf Ara­bisch: Hal­lo, wie geht's?“ Das Mäd­chen über­setzt er­kenn­bar stolz.

So muss es lau­fen, so stellt sich An­na Be­no­va die Ar­beit der Eh­ren­amt­li­chen vor. Aber da­zu muss man die­se aus­bil­den. Bis­her funk­tio­niert das in Ein­zel­ge­sprä­chen, oft auch fern­münd­lich.

Yvon­ne Esch­ment wur­de am Te­le­fon 30 Mi­nu­ten lang in­stru­iert, kurz nur al­so, aber sie hat als So­zi­al­päd­ago­gin ja auch Vor­kennt­nis­se. Doch op­ti­mal wä­re ei­ne um­fang­rei­che Schu­lung in ei­nem Raum, or­ga­ni­siert als Tages-Work­shop. „Dann könn­te man in Rol­len­spie­len Si­tua­tio­nen mit den Kin­dern si­mu­lie­ren und die Eh­ren­amt­ler op­ti­mal vor­be­rei­ten“, sagt An­na Be­no­va.

Ei­nen Raum hat „Li­bri­leo“ schon, ei­nen frü­he­ren, jetzt leer ge­räum­ten La­ger­raum. Aber der muss aus­ge­stat­tet werden, mit Tep­pich, Re­ga­len, Tisch, Stüh­len, mit dem Üb­li­chen. Au­ßer­dem will „Li­bri­leo“ dort ei­ne Kin­der­buch-Bi­b­lio­thek ein­rich­ten. „Es ist sehr schwie­rig, in öf­fent­li­chen Bi­b­lio­the­ken Bü­cher für Klein­kin­der zu be­kom­men“, sagt An­na Be­no­va. Mit den Spen­den­gel­dern möch­te der Ver­ein die­se Aus­stat­tung fi­nan­zie­ren.

In die­sen Work­shops wür­de noch bes­ser ver­mit­telt, was die Eh­ren­amt­li­chen jetzt schon ler­nen. Die Bü­cher, aus de­nen sie le­sen, soll­ten ei­nen Be­zug zum All­tag ha­ben. Es soll­ten auch Bil­der drin sein, die Kin­der wie­der­er­ken­nen, Tie­re zum Bei­spiel. „Es ist auch sinn­voll, ei­nen Be­zug zu ak­tu­el­len The­men her­zu­stel­len“, sagt Yvon­ne Esch­ment. Sie zeigt zum Fens­ter, drau­ßen ist es kalt, es reg­net. „Wir ha­ben bald Win­ter, al­so wür­de ich et­was mit Schnee und Win­ter her­aus­su­chen. Das Buch: ,Wir bau­en ei­nen Schnee­mann' zum Bei­spiel.“ Die Kin­der kön­nen aber auch sel­ber Bü­cher wäh­len. Es soll ja ih­nen Spaß ma­chen, die Er­wach­se­nen sol­len sie nur auf die­sem Weg be­glei­ten.

Ne­ben der Schü­ler­bi­blio­thek liegt das Eltern­ca­fé. Di­ver­se Müt­ter sit­zen dort und re­den, es­sen oder trin­ken, wäh­rend ne­ben­an ih­re Kin­der schmö­kern oder lau­schen. Im­mer wie­der schau­en Müt­ter in die Bi­b­lio­thek. Man muss dann ih­re Au­gen se­hen. Die Au­gen ha­ben die­ses Glän­zen, die­ses Zei­chen, dass et­was schön ist. Ab und zu blickt Yvon­ne Esch­ment hoch und lä­chelt. Sie sieht dann die­ses Glän­zen. Das ge­fällt ihr. Wie­der ei­nen Schritt wei­ter auf dem Weg zum Ziel.

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